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Limited-Gesellschaften nach britischem Recht:
Möglicherweise drohen erhebliche Risiken durch den Brexit!

Bis zur Einführung der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) durch eine Gesetzesänderung im Jahr 2008 empfanden viele Unternehmensgründer die Form der GmbH als zu aufwendig und zu teuer. Als preiswertere Lösung war daher die Gründung oder der Erwerb einer sogenannten Limited-Gesellschaft nach britischem Recht ("Ltd." oder "PLC") weit verbreitet. Dabei wurden solche Limited oft nur der Form nach in Großbritannien betrieben; ihre Geschäftstätigkeit übten sie dagegen ausschließlich in Deutschland aus. Das war wegen der von der Europäischen Union garantierten Niederlassungsfreiheit auch kein Problem. 

Nachdem das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland den Austritt aus der EU erklärt hat ("Brexit"), endet die Niederlassungsfreiheit solcher Gesellschaften in Deutschland mit dem Wirksamwerden des Austritts. Nach dem bisherigen Verlauf der Austrittsverhandlungen besteht wenig Aussicht, dass bis dahin noch Vereinbarungen zwischen der EU und Großbritannien zustande kommen, wonach solche Gesellschaften weiter gegenseitig anerkannt werden. 

Das führt mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu, dass diese Limited-Gesellschaften in Deutschland nicht mehr weiterbestehen können. Sie würden zu OHG oder GbR nach deutschem Recht, wenn sie mehrere Gesellschafter haben. Haben sie nur einen Gesellschafter, würde dieser zum Einzelunternehmer. 

Das könnte für die Beteiligten schwerwiegende steuerliche Folgen haben. Vor allem aber würde auch die Haftungsbeschränkung der Gesellschafter wegfallen; sie würden dann in vollem Umfang persönlich für Schulden der bisherigen Limited haften.

Die Bundesregierung hat dazu einen Gesetzentwurf vorgelegt, der für dieses Problem eine Lösung bereitstellen soll. Um aber keine Fristen zu versäumen, sollten Sie möglichst bald klären, ob für Sie Handlungsbedarf besteht. Daher empfehlen wir dringend, schon jetzt zu prüfen:

  • Haben Sie eine Limited nach britischem Recht oder eine ähnliche Gesellschaft gegründet oder erworben?
  • Haben Sie auf den Namen einer solchen Gesellschaft wichtige Gegenstände erworben (z.B. Immobilien oder Lizenzen), Vertragsbeziehungen aufgebaut, betreiben Sie unter dem Dach einer solchen Limited ein Unternehmen o.ä.? 
  • Wenn Sie die Gesellschaft inzwischen veräußert oder die Geschäftstätigkeit aufgegeben haben: Sind Sie sicher, dass die Veräußerung bzw. Beendigung nach deutschem und britischem Recht wirksam geworden ist? Wenn nicht, könnten Sie immer noch in eine Haftung geraten - auch wenn die Gesellschaft schon seit Jahren nicht mehr tätig ist. 

Wenn Sie nicht völlig sicher sind, ob Sie noch an einer solchen Gesellschaft beteiligt sind: Sprechen Sie möglichst bald Ihren Steuerberater und/oder Ihren beratenden Rechtsanwalt an. Wenn sich dabei herausstellt, dass in diesem Zusammenhang noch etwas zu bereinigen ist, helfen wir Ihnen gern weiter.